Wie sich die feuchte Schwarzmeerküste und Kolchis vom warmen Winkel Kachetiens um Lagodechi unterscheiden.

Georgien wird oft ein Land der Subtropen genannt, doch es hat zwei davon, und sie gleichen einander gar nicht. Der Große Kaukasus schirmt das Land gegen kalte Nordluft ab, während das Lichi- oder Surami-Gebirge es in West und Ost teilt. Von Westen strömt die warme, feuchte Luft des Schwarzen Meeres ungehindert in die Niederungen, von Osten atmet der Kontinent, und das Klima bestimmen die Entfernung vom Meer und die Höhe.
Die westlichen Subtropen umfassen die Schwarzmeerküste von Abchasien bis zur türkischen Grenze und die Kolchis-Niederung. Hier ist es feucht und regnerisch: tausend bis zweitausend Millimeter Niederschlag im Jahr, in Batumi etwa 2500. Das subtropische Klima reicht im Westen bis etwa 650 Meter über dem Meer; hier wachsen Palmen und Zitrusfrüchte, Tee und Mandarinen, in sowjetischer Zeit wurden die trockengelegten Niederungen zu subtropischen Plantagen, und 2021 wurden die kolchischen Regenwälder und Feuchtgebiete in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.
Die östlichen Subtropen sind viel bescheidener und verbergen sich in einem Winkel Kachetiens, um Lagodechi, unter den Südhängen des Großen Kaukasus. Das Klima ist hier mäßig feucht subtropisch, die Jahresmitteltemperatur liegt bei etwa dreizehn Grad, in der Ebene fallen 650 bis 1080 Millimeter Niederschlag, in den Bergen bis 1800, deutlich weniger als im Westen, und Hagel und Dürre sind häufig. Die unteren Buchen-, Hainbuchen- und Ahornwälder des Schutzgebiets Lagodechi vergleichen Botaniker mit den warmen Wäldern der Schwarzmeerküste, doch Palmen und Zitrusfrüchte gibt es hier nicht mehr.
So kam es, dass beide Subtropen im selben Jahr 1912 ihre Hüter fanden. Im Westen, am Grünen Kap bei Batumi, legte der Botaniker Andrei Krasnow den Botanischen Garten Batumi an, und im Osten genehmigte der Statthalter des Zaren im Kaukasus das Schutzgebiet Lagodechi, das erste in der Kaukasusregion.